Logo

Stichwortsuche

know-how für kitas

Bessere Löhne für Erzieher fordert die neue Bundesfamilienministerin Giffey!

Erstes großen Interview in der Bild am Sonntag vom 24.3.2018

"Kitas sind Bildungseinrichtungen", sagte sie. "Und aus meiner Sicht verdienen Erzieherinnen und Erzieher, auch jene, die im Ganztagsbetrieb im Hort arbeiten, eine Bezahlung ähnlich wie Pädagogen, die etwa in der Grundschule arbeiten." Es gehe schließlich um Menschen, "die in der Bildung arbeiten und die Basis für die Zukunft unserer Kinder und damit für die Zukunft der Bundesrepublik legen".

Der Zeitung zufolge verdient ein Erzieher in Vollzeit im Schnitt 2.600 Euro brutto. In dieser Größenordnung liegen bei Grundschullehrerinnen und -lehrern die Netto-Einstiegsgehälter. Deren Bezahlung ist allerdings von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. 

Ja, dem kann man, wie ich finde, zustimmen. Mal abgesehen von der unterschiedlichen Ausbildung von Erhieher*innen und Grundschullehrer*innen haben wir einen zunehmenden Fachkräftemangel und es gilt die Arbeit in der Kita attraktiver zu machen. Dazu gehört auch eine bessere Bezahlung. Und ist es erfreulich, wenn ein Mitglied der neuen Bundesregierung sich dafür stark macht. Im Antrittsbesuch der Familienministerin bei Bundeskanzelerin Angela Merkel ist darüber aber nicht gesprochen worden, wie man dem Facebookeintrag der Minsterin vom 28.3. entnehmen kann. Insofern frage ich mich, wie ernst der Ministerin das Anliegen ist. Im Koalitionsvertrag der neuen neuen Bundesregierung ist davon (leider) keine Rede. Die zusätzlichen vier Mrd. Euro für den Elementarbereich für die Jahre 2018 bis bis 2022 sind mehr als knapp bemessen.Im Mittelpunkt steht nachwievor der quantitative Ausbau. Darüber habe ich berichtet. Wenn man dazu noch bedenkt, dass die Vereinbarung der Löhne Angelegenheit der Tarifpartner ist - also der kommunalen Spitzenverbände und der Dienstleistungsgewerkschaft verdi - stellt ich mir die Frage, was die Ministerin mit ihrem Interview bezwecken will? Einen Bezug zu den aktuell laufenden Tarifverhandlungen hat sie nicht hergestellt. Warum eigentlich nicht? Vielleicht ging es ihr auch primär darum, sich öffentlichkeitswirksam zu präsentieren, so wie andere Mitglieder der neuen Bundesregierung es ja auch tun (beispielwesie Seehofer und Spahn)?!? Wenn Frau Giffey die Gehälter im Elementarbereich wirklich ein Anliegen sind, wird sie einen langen Atem und viele Bündnispartner benötigen, das Thema wirklich auf die Tagesordnung zu bekommen. Und sie muss als Voraussetzung für eine bessere Bezahlung mehr Geld mobilisieren. Kurzfristig wird ihr das nicht gelingen. 

Masterplan für Kita-Qualität
Bei einer möglichen Erhöhung der Gehälter reden wir aber noch nicht über die Qualität der Arbeit in der Kita. Die von der BertelsmannStiftung als Standard empfohlenen Fachkraft-Kind-Relationen erfordern gut hundertausend zusätzliche Vollzeitstellen im Elementarbereich. Die kosten ca. 4 Mrd. jährlich. Was an den Rahmenbedingungen insgesamt getan werden muss, ist seit längerem bekannt. Die Bund-Land-Kommission hat 2016 den Bericht "Frühe Bildung weiterentwickeln und finanziell absichern" vorgelegt. Insofern sind die Fakten und Ansatzpunkte bekannt. Daraus ließe sich ein Masterplan für den Elementarbereich für die nächsten 10 Jahre ableiten. In dem könnte die Ministerin dann auch ihr Forderung nach besserer Bezahlung unterbringen.

SPD programmatisch erneuern
Vielleicht ist das Interview der Ministerin ja ein Mosaikstein, die SPD programmatisch zu erneuern, um sich deutlicher von den Unionsparteien abzugrenzen?!? Die Koalition will ja nach zwei Jahren ein Zwischenfazit ziehen. Vielleicht hat die SPD ja bis dahin genug Profil für eine erfolgreiche(re) Neuwahl entwickelt? Dazu würde dann auch ein Masterplan für den Elementarbereich gehören. Insofern hoffe ich, dass die öffentliche Förderung von Ministern Giffey für eine bessere Bezahlung im Elementarbereich nicht nur heiße Luft´ ist. 

Exemplarischer Blick nach Berlin
Wie dramatisch die Situation in manchen Regionen und vor allem den Ballungsräumen ist, kann man gut am Beispiel der Großstadt Berlin nachvollziehen. Hier fehlen in diesem allein mindestens 3.000 Kita-Plätze und eine Lösung hierfür ist in keinster Weise abzusehen. Immer mehr Eltern überlegen, ihren Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz einzuklagen. Die zuständige Bildungssenatorin sieht Lösung vor allem in einer befristeten Vergrößerung der Gruppen...  Wer Genaueres darüber wissen will,  kann sich im Tagesspiegel vom 2.4.2018 die Dokumentation "Wie Eltern um Kitaplätze kämpfen" anschauen.