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Lockdown light bis zum 10. Januar 2021 verlängert - Bayern ruft Katastrophenfall aus

Die Fallzahlen bleiben auf einem hohen Niveau. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet für den 3.12. und den 4.12. jeweils über 23.000 Neuninfektionen in den letzten 24 Stunden. - Die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsident*innen der Länder verständigen sich darüber, den Lockdown nach den Lockerungen über Weihnachten bis zum 10. Januar zu verlängern. Die bayerische Landesregierung ruft heute (6.12.2020) den Katastrophenfall aus. Das Landesparlament soll zum Beginn der neuen Woche deutliche Verschärfungen ab dem 9.12. beschließen: unter anderem Ausgangsbeschränkungen landesweit und Ausgangssperren in den Hotspots sowie Wechselunterricht ab der 8. Klasse.

Von Woche zu Woche
Die Lage ist und bleibt unübersichtlich und niemand kann vorhersagen, wie sich die Pandemie weiterentwickelt, welche einschränkenden Maßnahmen möglicherweise noch zusätzlich ergriffen werden müssen oder wann diese zurückgenommen werden können, wann und welchem Umfang mit Impfungen gestartet werden kann usw. Kanzleramtsminister Helge Braun im Interview: “Mit den Ministerpräsidenten ist vereinbart, dass wir abwarten, wie sich die Weihnachtstage und das Verhalten der Bevölkerung auf die Infektionszahlen entwickeln. Jetzt gelten die Beschränkungen erst einmal bis zum 10. Januar. Wie es dann weitergeht, werden wir sehen. In den Monaten Januar, Februar, März werden wir mit den Folgen des Winters kämpfen müssen. Danach können wir darauf hoffen, dass die Bekämpfung der Pandemie saisonbedingt leichter wird. Wir gehen davon aus, dass wir dann jeden Monat mehr Impfstoffe zur Verfügung haben, um einen größeren Teil der Bevölkerung zu impfen. Die Pandemie wird so schrittweise ihren Schrecken verlieren.” (WELT 6.12.2020, Seite 4) Im Folgenden einige Informationen, Einschätzungen und Überlegungen zur aktuellen Situation - ohne den Anspruch auf Vollständigkeit und den Versuch, daraus Prognosen für die nächsten Wochen und Monate abzuleiten: 

Entwicklung der Fallzahlen
Der Blick auf die Fallzahlen (statista) und der Versuch, deren Wachstum durch den Lockdown zu bremsen und diese im zweiten Schritt zurückzuführen, hat das Ziel, “eine Überforderung des Gesundheitssystems unter allen Umständen zu verhindern” (ebd.). Ende der letzten Woche hat die “Zahl der Corona-Patienten auf deutschen Intensivstationen... erstmals die Schwelle von 4000 überschritten... 60 Prozent der Patienten werden invasiv beatmet. Die angegebene Zahl der freien Intensivbetten liegt ohne Notfallreserve bei rund 5000.” (Ebd. 5.12.2020, Seite 1) Die Auslastung der Intensivbetten ist dabei landesweit sehr unterschiedlich und korrespondiert mit der Entwicklung der Fallzahlen in den einzelnen Bundesländern. Man kann hier von einer Zweitteilung des Landes sprechen: “Auf der einen Seite stehen Bayern, Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Dort verfehlt der Lockdown seine Wirkung zum Teil drastisch.” (Ebd., Seite 5). In Thüringen steigt die 7 Tage Inzidenz um 80,5. “In den anderen zehn Bundesländern sinken die Ansteckungszahlen hingegen, in vielen – Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Schleswig-Holstein – sogar im zweitstelligen Bereich.” Die Gründe für diese Unterschiede sind unklar. Das RKI nennt das Ausbruchsgeschehen in den Bundesländern mit steigenden Infektionszahlen “diffus” (ebd.). 

Impfungen
Es ist erfreulich, dass die ersten Impfstoffe vorliegen und deren Zulassung bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA beantragt ist. Es wird aber noch einige Wochen dauern, bis die Impfstoffe auch eingesetzt werden dürfen. Das setzt voraus, dass die Daten aus den klinischen Phase-II- und Phase-III-Studien “zur Sicherheit und Wirksamkeit im Vergleich zur Kontrollsubstanz” (WELT, 5.12.2020, Seite 4) vorliegen. Hierzu Wolf-Dieter Ludwig, der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: “Wir wissen derzeit nicht, wie der Impfstoff bei Risikopatienten wirkt, also bei jenen, die zuallererst geschützt werden müssen.” Der bisherige Nachweis der Wirksamkeit bezieht sich bei Biontech auf 170, bei Moderna auf 95 Infizierte. “Wir wissen aktuell nicht, wer diese 170 oder 95 Infizierten sind. Jüngere Leute, die positiv, aber ohne Symptome sind? Oder doch ältere Patienten mit möglicherweise schwerer Erkrankung?” (Ebd.) Diese Daten aber müssen vorliegen und ausgewertet sein, bevor entschieden werden kann, welche Personen-, Alters- und Risikogruppen mit welchem Impfstoff und priorisiert geimpft werden können und sollen. Erst wenn diese geklärt ist und die sich gerade im Aufbau befindlichen Impfzentren (Blog vom 29.11.2020) zur Verfügung stehen, kann mit den Impfungen systematisch begonnen werden. 

Bayern
Bayern gehört zu den Bundesländern, in denen die 7 Tage Inzidenz auch weiter angestiegen ist (siehe oben: Entwicklung der Fallzahlen). Die Landesregierung hat heute (Sonntag, 6.12.2020) deutliche weitere Verschärfungen vorgeschlagen, die vom bayerischen Landesparlament zu Beginn der neuen Woche beschlossen und dann am 9.12.2020 in Kraft treten sollen. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat diesbezüglich 10 Punkte vorgestellt (Video). Hierzu gehören unter anderem landesweite Ausgehbeschränkungen, Ausgehverbote in Hotspots (7 Tage Inzidenz über 200) von 21.00 bis 5.00, landesweiter Wechselunterricht für Schüler*innen ab der 8. Klasse, landesweiter Distanzunterricht in allen Berufsschulen, Distanzunterricht ab der 8. Klasse in Hotspots, Beschränkung der Besuche von Pflegehembewohnern auf eine Person pro Tag mit Schnelltest und FFP2-Maske usw. Auch andere Bundesländer diskutieren über weitere Verschärfungen.

Kitas und Schulen
Leider stehen zu den Infektionszahlen in Kitas und Schulen keine aktuellen Daten zur Verfügung. Das würde die Diskussionen und Auseinandersetzungen vor allem um den Präsenz-, Hybrid- und Wechselunterricht in Schulen auf eine sachlichere Basis stellen. Da das Infektionsgeschehen bei Kindern ab 12 Jahren sich dem bei Erwachsenen annähert, werben die Bundeskanzlerin und ihr Kanzleramtsminister Helge Braun schon seit einigen Wochen “für eine Kontaktreduzierung durch Hybrid- und Wechselunterricht an weiterführenden Schulen” (WELT 6.12.2020, Seite 4), während Kitas weiter geöffnet bleiben sollen und in den Grundschulen weiterhin Präsenzunterricht umgesetzt werden kann. Bayern geht jetzt, was die älteren Schüler*innen angeht, in die von der Bundesregierung vorgeschlagene Richtung (siehe oben). Dabei wird die Landesregierung mit der Zustimmung von vor allem älteren Schüler*innen rechnen können. “Wir fordern alle weiterführenden Schulen in Niedersachsen in den Wechselunterricht zu schicken. Bis Weihnachten, flächendeckend, unabhängig von Inzidenzwerten. Ständig hören wir, meidet große Gruppen und haltet Abstand. Geteilte Klassen wären ein Beitrag dazu.” (Florian Reitz, Vorsitzender des niedersächsischen Landesschülerrats in Süddeutsche Zeitung 28./29.11.2020 - siehe auch Blog vom 29.11.2020). In Bochum streiken aktuell die Schüler*innen der Schillerschule (Klassen 5 bis 13) und des Klaus-Steilmann Berufskollegs für Distanzunterricht.
 


Themen: Berichte aus der Praxis, Neues aus der Kita-Szene