Letzter Elternbrief in diesem Kindergartenjahr Was hat Coronoa mit uns gemacht?

Bärbel Grothaus, Leitung der Kindertagesstätte Rabauken und Trompeten e.V. in Köln verabschiedet sich mit dem letzten Elternbrief in diesem Kindergartenjahr von den Eltern. Sie resümiert das Kindergartenjahr, das bis Mitte März dieses Jahr ein weitgehend Normales war. Und dann kam Corona und brachte Vieles durcheinander. Bärbel Grothaus hält inne, geht kurz in die Vogelperspektive und formuliert einige erste Wahrnehmungen und Einschätzungen zu den letzten vier Monaten.

Liebe Eltern,

so, nun ist es Zeit, einen ersten (weitere werden folgen) Blick zurück zu werfen, auf das wohl merkwürdigste Kita-Jahr, dass ich bisher erlebt habe.

Ganz normal bis Mitte März
Wir sind im August ganz normal gestartet. In der U3 wurden 4 neue Kinder und eine Berufspraktikantin eingewöhnt. Bei den Ü3-Kindern sind 5 Kinder in die Riege der Vorschulkinder aufgestiegen. Eine neue Kita-Assistenz und eine Praktikantin haben im August ihren Dienst begonnen, im November hat ein neuer Mitarbeiter angefangen. Wir haben unser Martinfest gefeiert, uns zum Adventssingen getroffen und uns in die Weihnachtsferien verabschiedet. Im Januar war eine Praktikantin aus dem Irak bei uns. Im Februar haben wir wie immer Karneval gefeiert und dann, seit dem 16. März ist irgendwie alles anders.

Schockstarre
Erst sind wir alle in unsere Behausungen verschwunden, vollkommen irritiert und sehr verunsichert, was jetzt mit uns passiert. Dann haben wir uns über das Kaufverhalten – Klopapier wurde das rarste Produkt – unserer Mitmenschen gewundert und uns dann mit Video-Clips, Liedern u.ä. über genau diese Auswüchse belustigt, um uns zu beruhigen oder abzulenken. Aber mal von denen mit einem gewissen Abstand eher vergnüglichen Aspekten der ersten Wochen abgesehen, mussten wir uns in unserem privaten, wie dienstlichem Umfeld komplett neu erfinden.

Andere Brille auf
Ich glaube viele von uns haben sich und die, die zu ihren engen Sozialkontakten gehören, nochmal ganz neu kennengelernt oder zumindest mal mit einem anderen Blick betrachtet. Keine schlechte Angelegenheit, vor allen Dingen dann, wenn sie zu neuen Perspektiven führt.

Team neu erfinden
Auch wir im Team mussten uns neu erfinden und unsere Beziehungen neu sortieren, neue Wege der Kommunikation finden. Wir haben YouTube-Karrieren begonnen, Videokonferenzen abgehalten und uns in Pädagogik aus dem Home-Office versucht. Ohne Corona hätten unsere Eltern diese Seite des Kita-Teams nie kennen gelernt. Einblicke in ein Stück Privatleben und Emotionen, die sonst so vielleicht nicht geäußert worden wären und Kompetenzen, von denen wir selbst vorher nichts geahnt haben.

Neue Sichtweisen
Gelernt haben wir eine ganze Menge, nämlich z.B. wer systemrelevant ist für das große Ganze, aber auch für unsere kleine Kita Welt und wie wichtig soziale Kontakte sind, wie wertvoll Vertrauen sein kann und wie vielfältig Sprache ist und wie viele verborgene Talente wir haben, aber auch wie viele Ängste. Vielleicht haben wir auch manchmal gemerkt, wie wenig wir das Zusammensein mit anderen wertschätzen, weil es doch immer so selbstverständlich und frei verfügbar war. Wir haben gelernt, wie wichtig Arbeit sein kann, wie wichtig Sicherheit ist und wie beunruhigend Unsicherheit. Wir haben viel über die Welt gelernt, vielleicht im Besonderen, dass die meisten von uns relativ privilegiert sind und wir hier in unserem Land bisher noch ganz gut dastehen. Ich hoffe, wir haben auch gelernt, was eigentlich das Gebot der Stunde ist, nämlich Rücksicht zu nehmen, den anderen immer mit im Blick zu haben. – Mit gebührendem Abstand zwar, aber mit der Zuwendung, die jeder braucht!

Corona ist noch nicht besiegt
Und all diese Erkenntnisse und Fähigkeiten werden wir auch in Zukunft brauchen. Corona ist noch lange nicht weg und damit verbunden haben wir noch eine ganze Weile mit Lebensumständen und Einschränkungen zu tun, für die wir all das brauchen. Dies ist spätestens deutlich geworden, als wir kurz nach Beginn des eingeschränkten Regelbetriebs ständig Kinder wegen Symptomen nach Hause schicken mussten, die alles Mögliche bedeuten können, aber eben unter anderem auch Covid-19 Symptome sind. Diese Regelungen gelten auch im neuen Kita-Jahr noch, da der eingeschränkte Regelbetrieb mindestens noch bis Ende August weiterläuft. Meine Eingabe diesbezüglich beim NRW-Ministerium für Kinder, Familien, Flüchtlinge und Integration (MKFFI) war – naja – semi-erfolgreich. Ich habe ein umfangreiches Antwortschreiben bekommen, das wohl jeder bekommt, wenn er einen Brief an das MKFFI in Sachen Symptome schickt. (Hierüber haben wir im Blog vom 13.07.2020 berichtet und hier finden Sie den vollständigen Brief).) Nach den Ferien werden wir dieses Schreiben daraufhin überprüfen, ob es uns ermöglicht, Erleichterungen beim Umgang mit den „Schnupfennasen“ der Kinder einzuführen, ohne eine neue Gefährdungslage zu schaffen. Zum Umgang mit den Schnupfnasen siehe auch unseren Blog vom 18.7.2020.

Neustart am 3.8.
Nach den Ferien geht es erstmal so weiter wie bisher: Die Kinder werden ab 8:00 Uhr an der Tür „abgegeben“ und können dort bis spätestens 15:00 Uhr wieder in „Empfang genommen“ werden. Also, wir verabschieden uns jetzt erstmal in den Urlaub und erholen uns und sammeln neue Kräfte.

Nicht öffentliche Grüße

Gute Zwischenzeit
Denen, die mit dem Umzugswagen in die Ferien fahren, wünsche ich einen guten Start im  neuen Zuhause, den andern wünsche ich egal ob im Strandkorb, auf dem Fahrrad, im Zelt, auf dem Surfbrett, am eigenen Gartentisch oder bei Oma auf dem Sofa eine schöne Zeit. Eine richtig schöne Zeit, mit viel Ruhe oder viel Abenteuer oder was auch immer Euch guttut. Und haltet Euch bitte vom Ballermann fern, damit wir das mit der Symptomfreiheit noch gaaaaaanz lange fortsetzen können. Allen die nach den Ferien nicht mehr zu diesem Verteiler gehören, weil sie sich von anderen Leitungskräften „unterhalten“ lassen, wünsche ich eine gute und erfolgreiche Zeit.

Sonnige Grüße

Bärbel Grothaus

Weitere Inforamtionen und Hinweise: Hier finden Sie die Rabauken und Trompeten, eine Kölner Elterninitiative, im Netz. Die Kita ist Mitglied der Kölner Eltern- und Kinderselbsthilfe e.V. (KEKS), der auf seiner Website auch über den Umgang mit der Coroankrise informiert. Der Kontakt zur pragma gmbh ist 2015 über eine vom KEKS e.V. initiierte gemeinsame Qualitätsentwicklung für inhabergeführte Einrichtungen und Elterninitiativen in Köln entstanden.