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Hilfe im Alltag

Gastbeitrag von Alexandra Knoch

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich über die Rückkehr in den Regelbetrieb in unserer dreigruppigen Kindertagesstätte in Castrop-Rauxel berichtet. Auf der einen Seite atmen wir Erzieher*innen auf, weil wir nach Monaten der Einschränkungen durch die Coronapandemie wieder pädagogisch am Kind arbeiten können. Auf der anderen Seite sehen wir uns herausgefordert. Die strengen Hygieneauflagen müssen nach wie vor eingehalten, jedes Kind muss zur Toilette und zum Hände waschen begleitet und beim Essen unterstützt werden. Gleichzeitig gute pädagogische Arbeit zu leisten, stellt sich zeitlich und personell als große Herausforderung dar. Viele von uns fühlen sich mit diesen Anforderungen schon im eingeschränkten Regelbetrieb nach wenigen Tagen überlastet, weil beides zusammen kaum leistbar ist.

Einsatz von Alltagshelfer*innen wird nicht unkritisch gesehen
Seit dem 01.08.2020 besteht in den Kitas NRWs die Möglichkeit Alltagshelfer*innen zu beschäftigen. Diese können bis zum 31.12.2020 mit 10.500 € / pro Kita vom Land bezuschusst (siehe Blog vom 18.7.2020 - unter "Was noch?") . Die Alltagshelfer*innen sollen die Fachkräfte entlasten, indem sie die hygienische Versorgung der Kinder, die Einhaltung der Regeln zum Infektionsschutz gewährleisten und hauswirtschaftliche Tätigkeiten übernehmen. Doch der Einsatz von Alltagshelfer*innen wird nicht nur positiv gesehen. Einige Erzieher*innen, mit denen ich mich im Rahmen einer Interessengruppe bei Facebook (“Ideensammlung für ErzieherInnen/Pädagogen und Familie”) ausgetauscht habe befürchten, dass es ein Mehraufwand wäre die neuen Kräfte einzuarbeiten und anzuleiten. Einige befürchten außerdem, dass die Besetzung mit fehlenden Fachkräften zurückgestellt werden würde, da die pädagogisch ungelernten Alltagshelfer*innen für niedrigere Entlohnung eingesetzt werden können. Einige sehen im Einsatz der Alltagshelfer*innen eine Degradierung ihres Berufes, wenn diese von den Einrichtungen auch zur Arbeit am Kind ‚missbraucht‘  werden würden.

Alltagshelferinnen in der “Kita am Wald”
Seit dem 17.08.2020 beschäftigt auch unsere Kita pro Gruppe jeweils eine Alltagshelferin. Die drei Frauen sind nicht über gängige Jobportale eingestellt worden. Eine der Alltagshelferinnen ist eine Freundin einer Angestellten, eine ist die Mutter einer Erzieherin und eine ist eine ehemalige Kitamutter, die schon seit längerem hin und wieder im hauswirtschaftlichen Bereich unserer Tagesstätte aushilft. Dadurch haben wir das Glück, dass wir die neu eingestellten Alltagshelferinnen bereits kennen. Durch ganz klar formulierte Tätigkeitsbeschreibungen seitens unserer Leitung ist sowohl den Erzieher*innen, als auch den Helferinnen klar, welche Aufgaben von ihnen übernommen werden sollen. So kann es nicht zu Überschreitungen in den jeweiligen Arbeitsbereichen kommen, was in anderen Kitas leider zum Teil der Fall ist.

Wie arbeiten unsere Alltagshelferinnen?
Unsere Alltagshelferinnen sind auf 450€ Basis angestellt und arbeiten in der Gruppenform I (20 Kinder, zwei bis sechs Jahre) täglich von 9 - 13 Uhr und den in Gruppenformen II und III (zehn Kinder, null bis drei Jahre bzw. 25 Kinder, drei bis sechs Jahre) von 11 bis 13 Uhr. Vor den Mahlzeiten putzen und desinfizieren die Helferinnen die Tische und decken sie anschließend ein. Nach den Mahlzeiten werden die Tische und Stühle erneut gereinigt und desinfiziert, die Böden werden gefegt und gewischt. Während ihrer Arbeitszeit von zwei bzw. vier Stunden pro Tag reinigen und desinfizieren die Alltagshelferinnen regelmäßig die sanitären Anlagen (Toiletten, Waschbecken, Wickeltische) und putzen die Böden und übrigen Kontaktflächen der Badezimmer. Die Reinigung von Kontaktflächen in den Gruppenräumlichkeiten inklusive des Garderobenbereiches im Flur, das Reinigen und Desinfizieren von Spielzeugen und das Waschen beschmutzter Textilien gehören ebenfalls zu ihren Aufgaben. Die Alltagshelferin in der Gruppenform I bereitet den Kindern morgens ihr Frühstück zu (gießt Milch oder Wasser ein, belegt die Brote, schneidet Obst etc.). Die Frauen unterstützen die Erzieher*innen darüber hinaus beim Hände waschen mit den Kindern, beim Umziehen und beim Eincremen der Kinder.

Reaktionen auf die Alltagshelferinnen
Der Einsatz und die Arbeit unserer drei Alltagshelferinnen kommt durchweg sehr gut an. Die Erzieher*innen in der Kita am Wald empfinden die Helferinnen als große Unterstützung und enorme Arbeitserleichterung. Durch ihren Einsatz ist es möglich, die pädagogische Arbeit an den Kindern wieder in der gewohnten Qualität zu erfüllen gleichzeitig können die hygienischen Auflagen eingehalten werden und so den größtmöglichen Schutz vor SARS-CoV-2 für Kinder, ihre Familien und die Angestellten gewähren. Die Eltern, mit denen ich gesprochen habe, begrüßen den Einsatz der Helferinnen und sehen ihn als Gewinn für die Einrichtung, da er die Erzieher*innen entlastet und somit der pädagogischen Arbeit mit ihren Kindern zugutekommt. Allerdings sind die Eltern froh, dass unsere Hilfskräfte den Erzieher*innen nicht völlig fremd sind und auch die Kinder die Hilfskräfte zum Teil schon kennen. Sie freuen sich darüber, dass die Einstellung und Einweisung durch unsere Einrichtungsleitung so souverän verlaufen ist, sodass die Tätigkeitsfelder klar sind und die Arbeit von sämtlichen Angestellten in allen Bereichen ideal erledigt werden kann. Auch die Kinder fühlen sich mit den neuen Arbeitskräften wohl. Sie begegnen den Alltagshelferinnen durchweg offen und interessiert. Keines unserer Kinder zeigt Hemmungen im Umgang mit den eingestellten Helferinnen. Sie lassen sich bereitwillig von ihnen beim Anziehen oder Händewaschen helfen und unterhalten sich gern und ganz offen mit ihnen.

Fazit
“Kaum hat man etwas sauber, ist es auch schon wieder dreckig oder voll Sand!” Antwortet eine unserer Alltagshelferinnen auf die Frage nach ihrer Arbeit. Trotzdem mag sie ihre neue Tätigkeit. Sie empfindet die Arbeit bei uns als abwechslungsreich und sie lobt die Freundlichkeit und Wertschätzung, mit der ihr Kinder und Erzieher*innen begegnen. Es freut mich, dass sie uns und die Kinder so wahrnimmt, da sie und ihre beiden Kolleginnen uns den Arbeitsalltag tatsächlich ganz erheblich erleichtern. Mit ihrer Unterstützung ist es möglich den pädagogischen Alltag ein Stück weit wieder zu entschleunigen und erlauben uns ein Stück weit die Rückkehr in den “normalen” Alltag, in dem wir professionell, bedacht und liebevoll mit den Kindern arbeiten und sie fördern können. Für unsere Kita können wir sagen: wir sind alle dankbar für den tollen Einsatz unserer Alltagshelferinnen und möchten sie im Moment nicht mehr missen.

Links und weitere Informationen:
Hier finden Sie weitere Blogbeiträge von Alexandra Knoch über die Arbeit der Kita am Wald e.V.:
1. Blogbeitrag vom 27.4.2020: Digital gut unterwegs!
2. Bogbeitrag vom 14.05.2020: Wie erreichen wir die U3-Kinder zuhause?Eine Bestandsaufnahme und Einschätzung zu unseren Angeboten und Aktivitäten
3. Blogbeitrag vom 13.6.2020: Elternarbeit während der Corona-Krise
4. Blogbeitrag vom 19.8.2020 Rückkehr in den Regelbetrieb unter den Bedingungen der Pandemie
Kita am Wald in Castrop-Rauxel im Netz. Der Kontakt zur pragma gmbh ist 2015 über die Qualitätsentwicklung entstanden. 


Themen: Neues aus der Kita-Szene, Berichte aus der Praxis