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Die zweite Welle rollt!

In Frankreich (67 Mio. Einwohner) lagen die neuen Infektionszahlen am 30.9. bei 8.550, am 24.10. bei über 50.000 – mehr als eine Verfünffachung in dreieinhalb Wochen. In Deutschland (83 Mio. Einwohner) stiegen sie – auch wenn sie absolut wesentlich niedriger als in Frankreich sind - im Verlauf von vier Wochen ebenfalls um etwas mehr als das Fünffache, nämlich von 2.844 am 2.10., auf 4.964 am 9.10., auf 7.976 am 16.10. auf 14.214 am 23.10. Heute meldet das RKI für den gestrigen Tag (27.10.) knapp 15t (genau 14.964) neue Infektionen. Ist die weitere Zunahme der Infektionen sowie die schrittweise Einschränkung des normalen Lebens bis zum erneuten Lockdown der unveränderliche Verlauf der Pandemie, wie wir das seit einigen Wochen in anderen europäischen Ländern beobachten können?

Die nächsten Wochen…
Ministerpräsident Laschet: „Es rollt eine zweite Corona-Welle auch über NRW. Die Lage ist sehr, sehr ernst. Der November wird der Monat der Entscheidung. Jeder Infizierte steckt in NRW 1,5 andere an.“ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung [WAZ] 28.10.2020, Seite 1). Heute verhandelt Bundeskanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten über eine weitere Verschärfung der Maßnahmen. Im Kern wird es dabei um weitere Einschränkungen privater Kontakte gehen. „Es ist Merkels Mantra: Die Bundesbürger sollen ihre privaten Kontakte soweit als möglich einschränken. Reisen? Verwandtenbesuche? Shoppingtouren? `Bitte bleiben Sie, wenn immer möglich, zu Hause`, rief ihnen die Kanzlerin in den letzten Tagen wiederholt entgegen.“ (Ebd., Tagesthema).

Gute Vorsätze zu Kitas und Schulen
„Die Lehre aus dem ersten Lockdown ist eindeutig: Geschlossene Kitas und Schulen stürzen Familien in Betreuungsnöte, koppeln schwache Schüler vom Lernen ab, schaden einen ganzen Kindergeneration. Bund und Länder wollen deswegen alles tun, um auch bei steigenden Infektionszahlen Präsenzunterricht und offene Kitas zu erhalten. `Für mich ist klar, die Schulen und Kitas werden als Letztes geschlossen, Schulen und Kitas werden als erstes geöffnet´, sagt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.“ (Ebd., Tagesthema) Ähnlich Armin Laschet: „Ein zweiter (flächendeckender) Lockdown zu Lasten von Kitas, Schulen und Wirtschaft muss unbedingt verhindert werden.“ (Ebd. Seite 1)

Keine Garantie
Dass dies gelingt, kann niemand garantieren. In den letzten Wochen ist die Politik davon ausgegangen, dass Kitas und Schulen keine Pandemietreiber seien. Dem zugrunde liegen Datenauswertungen der seit März dem Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldeten Infektionszahlen in Kitas (Blog vom 18.10.2020 „Kitas sind keine Infektionsherde“) und in Schulen: „Besonders auffallend sei zudem gewesen, dass die flächendeckende Öffnung von Schulen etwa in NRW sogar dazu geführt habe, dass die Infektionszahlen bei Schülerinnen und Schülern nach dem Schulstart `weniger schnell gestiegen waren, als in den Sommerferien´…. Als Grund werteten die Forscher unter anderem die anfangs in den Klassenzimmern geltende Maskenpflicht und die verstärkte Beachtung von Hygiene-Regeln.“ (WAZ, 22.10.2020, Seite Rhein-Ruhr). Es ist verständlich, aber meiner Meinung nach zumindest vorschnell und unklug, wenn die Politik mit Blick auf die berechtigten und verständlichen Normalitätsbedürfnisse und -wünsche von Kindern, Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern und Familien wissenschaftliche Aussagen in Richtung einer risikoarmen dauerhaften Öffnung von Kitas und Schulen auslegt.

Breiter gucken
Es scheint mir sinnvoll, etwas breiter zu gucken. Hierzu drei Aspekte:
- Das RKI positioniert sich wesentlich zurückhaltender: Es „stellt ausdrücklich fest, dass `das Ausmaß einer Übertragung innerhalb der Schulen und von den Schulen in die Familien/Haushalte´ noch immer `weitgehend unklar und Gegenstand der Forschung“ sei (SZ 24./25.Oktober 2020, Seite 6). Das relativiert die Aussagefähigkeit der oben angeführten Datenauswertungen hinsichtlich der Infektionsrisiken in Kitas und Schulen deutlich. Die Tatsache, dass wir bisher niedrige Infektionszahlen in Kitas und Schulen hatten, könnte auch einfach darauf zurückzuführen sein, dass die Infektionszahlen in Deutschland insgesamt über viele Monate sehr niedrig waren. Auch ein Blick nach Israel macht nachvollziehbar, dass Infektionsrisiken in Schulen durchaus bestehen oder entstehen können:
- Blick in andere Länder: „Als Israel die Schulen wieder öffnete, entwickelten sich dort sofort Hotspots, mehr als 40 Prozent der neuen Corona-Fälle waren Kinder, die sich im Unterricht angesteckt hatten.“ (Süddeutsche Zeitung [SZ] vom 25.+26.7.2020, Seite 4, Blog vom 26.07.2020)
- Und ganz aktuell: In zwei Landkreisen in Bayern (Rottal-Inn und Berchtesgadener Land mit Inzidenzahlen über 200) ist die Schließung von Kitas und Schulen als lokale Maßnahme schon erfolgt
Es geht nicht darum, schlechte Szenarien herbeizureden, aber wir sollten auf den worst case vorbereitet sein, wenn der denn noch mal nötig wird. Und das ist alles andere als ausgeschlossen. In den nächsten Tagen an dieser Stelle mehr dazu.


Themen: Berichte aus der Praxis, Neues aus der Kita-Szene